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Seit 170 Tagen laufe ich nun täglich

 

Heute, am 13.01.2004 ist ein besonderer Tag. Es ist der 170 Tag, an dem ich täglich gelaufen bin. Es ist Dienstag, Trainingstag im Verein. Dort haben wir eine schöne Laufstrecke über 17 km, kurz Bückeburg genannt. 170. Tag und 17 km, das passt ganz gut.

Um 18:00 Uhr fahre ich los. Es ist sehr windig geworden und Schauer drohen auch schon. Aber das kann mich jedenfalls nicht vom Laufen abhalten. Anscheinend aber doch etliche Laufkollegen. Denn es sind heute nur eine Handvoll Läufer da. Die Damen sind eindeutig in der Überzahl.

Pünktlich um 18:30 setzen wir uns in Bewegung. Die schnellen Hirsche übernehmen gleich die Führung. Schon nach wenigen Minuten sieht man nur noch ihre Leuchtwesten, wenn sie unter einer Strassen Laterne her laufen.

Ich finde schnell meinen Rhythmus und laufe mein Tempo ruhig durch.

Schnell komm ich an den Ortsrand, verlasse Wülpke und laufe über freies Feld hinter der Zeche her. Links von mir liegt gut zu sehen die   „Wülpker Egge“, ein Bergrücken, der sich deutlich gegen den Horizont abhebt. Der Wind ist jetzt heftig zu spüren.

Der Betriebshof der Zeche ist in gelbes Kunstlicht getaucht.

Nach einiger Zeit kreuze ich die Straße, die mich früher so oft zur Müllkippe gebracht hat.

Die alten Steinbrüche sind alle mit Hausmüll verfüllt worden. Riesige Mengen an Hausmüll wurden hier eingebracht. Als ich dort zum 1. Mal einfuhr ging es runter in den Steinbruch, beim letzten Mal musste ich ca. 70 m in der Höhe überwinden.

Was dort wohl an Umweltfrevel getrieben wurde, ich mag es mir kaum ausmalen.

Es dauert nicht lange und ich komme nach Nammen rein. Hinter mir höre ich Stimmengewirr und das Fußgetrappel von Läuferinnen. Kommen wohl unsere Mädels und rollen die Front von hinten auf. Als erstes kommt Barbara an mir vorbei. Wir haben gerade den steilsten Anstieg der Strecke hinter uns. Prustend passt sie sich meiner Geschwindigkeit an und erzählt mir, das sie zwischendurch immer Sprinteinlagen von 1 km einlegen.

Wir lassen die anderen Mädels rankommen und laufen den nächsten km gemeinsam. Dann beschleunigen alle und sind mir bald 100m voraus.

Das macht aber nichts, denn ich laufe gleichmäßig weiter und am Sportplatz in Nammen hab ich sie wieder eingeholt. Hier, wo Dr. Thomas Wessinghage seine Läuferkarriere begann, hier trennen sich unsere Wege. Die Mädels laufen rechts ab wieder Richtung Heimat und ich Richtung Bückeburg.

Hier kommt mir kurz danach ein Läufer mit Hund entgegen. Der hat hat die Statur wie meine Bonnie. Wir grüßen uns kurz, denn wir treffen uns öfter und die Hunde spielen dann meist einen Moment. Heute ist Bonnie aber nicht dabei, sie ist krank. Das hat mir doch ein wenig den Tag versaut. Gestern fand Bonnie in meiner offen stehenden Schreibtischschublade eine große Tafel Vollmilchschokolade, an der ca. 2 Riegel fehlten. Still und heimlich hat sie diese Schokolade mit genommen und in aller Ruhe verputzt. Als ich das bemerkte, war es schon zu spät. Da wusste ich noch nicht, wie gefährlich das für Hunde ist. Heute morgen lief Bonnie rum wie ich sie noch nie gesehen habe. Fast unfähig, auf den Pfoten zu stehen. Zwischendurch Erbrechen. Keine Nahrung aufnehmen, nichts saufen.

Ab zur Tierärztin, die gleich nebenan wohnt. Vergiftung durch Kakao. Hunde können Kakao nicht spalten, schwere Vergiftung, die zum Tode führen kann.

Schlimme Gedanken quälen mich da mit einem mal.

Nun komme ich am Haus Laurenthius vorbei, ein Altersheim des Diakonischen Werkes, wo meine Schwiegermutter ihre letzten 10 Berufsjahre als Heimleiterin tätig war.

Um das Gelände führt ein kleiner Park. Die Büsche und Bäume haben ja kein Laub mehr, und so sieht man nun deutlich, wie groß dieses Arial hier doch ist. Eigentlich ein schöner Platz um hier seinen Lebensabend zu verbringen.

Wie mag es uns wohl im Alter ergehen, wo kommen wir wohl unter. Pflegen uns unsere Kinder zu Hause, bis zum Ende, so wie wir es mit unseren Eltern gemacht haben ? Ich weiß nicht wieso, aber heute ist wohl kein besonders guter Tag für mich. Schwere Gedanken beschäftigen mich, dabei wollte ich doch fröhlich laufen.

Aber ich laufe weiter, versuche die Gedanken zu verdrängen.

Mittlerweile hat auch noch Regen eingesetzt und der Wind nimmt an Heftigkeit zu.

Einsam und alleine trabe ich durch die Felder und erreiche nun den Boxerhund Sportverein.

Vor mir liegt jetzt die Brücke über die Bundesstrasse B 65 n. Ich überquere sie , um nach wenigen Minuten dann in den Ort Röcke einzulaufen. Eine kurze Steigung, dann geht es erst einmal wieder lange bergab.

Kein Weihnachtsschmuck mehr an den Tannen vor den Häusern, von Weihnachten ist nichts mehr zu merken. Der Alltag hat uns eingeholt. Ein Jahr nimmt seinen Lauf. Was bringt es uns wohl ?

Der tiefste Punkt der Strecke ist erreicht. Am Gasthof Petzer Krug ist die 10 km Marke erreicht. 57 Minuten laufe ich jetzt. Hier in dieser Gaststätte haben wir Mutters 75. Geburtstag gefeiert. 15 Jahre ist das her. Diese Familienfeiern bleiben für alle unvergesslich.

Am Bauernhof des Schwippschwagers vorbei und ich verlasse Petzen. Ein schnurgerader Fahrrad / Fußweg  führt mich nun direkt nach Bückeburg. Rücksichtslose Autofahrer blenden nicht einmal ab, obwohl ich mit meiner Stirnlampe und der Warnweste doch nicht zu übersehen bin.

In Bückeburg angekommen lauf ich wieder an einem Stück Erinnerung vorbei. Vor über 20 Jahren hab ich hier bei den Eisenbahner Häusern die Badezimmer saniert. Einiger Mieter von damals wohnen hier heute noch und grüßen freundlich, wenn wir uns begegnen.

Rechts ab geht es wieder hoch zur Bundesstrasse. Vorbei am Centralkauf. Hier in diesem Gebäude war früher eine Keksfabrik. Sie wurde dicht gemacht und Edeka kaufte den Komplex. Damals war ich im 3. Lehrjahr und durfte die Gasleitungen dort ausbauen. Schöne Zeiten waren das, nicht so hektisch wie heute.

Langsam merke ich, wie viele Erinnerungen man doch bei solch einem Lauf wieder hoch wühlt, die man eigentlich schon irgendwo tief in sich vergraben hatte.

Die Bundesstrasse wird überquert und es öffnet sich wieder ein schöner Blick Richtung Wesergebirge. 5 km vor mir liegt oben am Berg der Sportplatz und das Vereinshaus.

Sind die Fußballer da und das Flutlicht ist an, kann man es sehr schön als Orientierungshilfe nutzen.

Vorbei am Tierheim von Bückeburg führt der Weg links auf einen Wirtschaftsweg. Der Graben neben ihm hat heute Hochwasser.

Der Wind kommt jetzt mit unerbitterlicher Härte von vorne. Und es geht allmählich wieder bergauf. Toll, bergauf und Gegenwind. Gibt es was Schöneres?

Mühsam quäle ich mich weiter. Hier komme ich an eine Stelle, wo immer wieder wilder Müll abgekippt wird. Auch heute liegen hier wieder etliche Abfallprodukte der Zivilisation: Kloschüsseln, Stühle, Säcke mit Grünabfall, eben von allen etwas.

Der Weg wird allmählich steiler, aber in der Ferne sehe ich schon Kreuzung bei Farben Kuhlmann. Als ich bei ihr ankomme, steht auf meiner Pulsuhr 01:40 Std.

Aber nun kommt das Hammerstück. Dieser letzte Anstieg wird von vielen Läufern genutzt um ihre maximale Herzfrequenz zu ermitteln. Die meisten laufen ihn nicht mehr, sondern wandern die letzten 300m bis zum Sportplatz.

Als Bergfreund kommt das für mich natürlich nicht in Frage. Ich teste die Gangreserve und laufe an der „Gotteshütte“ vorbei und meistere auch diese letzte Steigung.

01:47 Std. bin ich wieder durch Wind und Wetter gelaufen. Die meiste Zeit alleine.

Aber langweilig ist es mir nie geworden.

In den letzten 170 Tagen bin ich 2806 km gelaufen.