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Am 16. und 17. Juni findet in Bad Lippspringe der 24 Stundenlauf „Run for Help“ statt. Uli aus dem Streakrunner Forum hat uns alle darauf heiß gemacht. Er berichtete von seinen Teilnahmen dort und schlug vor, das mit einem Forumstreffen zu verbinden. Das Motto der Veranstaltung „Run for Help“ hat wohl vielen von uns die Entscheidung  teilweise sehr lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, leichter gemacht. Etliche Foris sagten zu und so stieg auch bei mir das Verlangen, daran teilzunehmen. Wann kann man so viel Gleichgesinnte Sportsfreunde, die man sonst nur aus dem Internet kennt, persönlich kennen lernen? Hier ist es möglich.

In den letzten Tagen vor dem Lauf kamen bei mir immer wieder Zweifel auf, ob ich da auch anständig Kilometer schrubben kann, damit sich der Laufeinsatz auch lohnt. Das Jahr war bisher so schlecht gelaufen und ich hatte kaum Kilometer in den Beinen. Die Blutwerte sind immer noch nicht im grünen Bereich. Also ran, nur wer wagt, der gewinnt.

Am Wochenende vor dem 24 Std. Lauf mache ich einen Test bei Hansi auf der Hausstrecke, die Runde 1 vom STUNT 100 . Das heißt 50 km bei Hitze. Das Ergebnis hilft mir nicht wirklich. 12 Stunden für die Strecke sind deutlich zu viel. Die Schnelligkeit ist flöten, die Ausdauer aber ist geblieben.

Was braucht man beim 24 Std. Lauf ?? Zuerst Ausdauer, dann als nächstes die Gleichmäßigkeit im Krafteinsatz. Beides hab ich noch. Die Zweifel schwinden, ich werde mutig und mir wird klar, egal was kommt, ich laufe den „Run for Help“.

Freitag Abend früh ins Bett. Noch einmal richtig ausschlafen. Von meinen letzten 24 Std. Läufen weiß ich, wie wichtig es ist, ausgeschlafen an den Start zu gehen.

Um 22:00 Uhr schlafe ich schon tief und fest.

Dann reißt mich das Klingeln des Telefons aus den schönsten Läuferträumen. Es ist ein Uhr. Das kann nichts Gutes heißen.

So ist es auch. Unsere Tochter ist am Telefon. Sie weint bitterlich und ist kaum zu verstehen. Die Nachbarin von ihr kommt an den Hörer und erzählt uns, das Marina von ihrem Lebensgefährten zusammengetreten und schwer misshandelt wurde. Sie ist mit den drei Kinder zu ihr geflüchtet und sie braucht unsere Hilfe.

Ein Anruf bei der Polizei wurde von dort mit der Begründung „Familienstreitigkeiten gehen uns nichts an“ abgetan. So einfach macht es sich der Staat.

Wir haben uns dann gleich auf den Weg gemacht und alle zu uns geholt. Die Kinder waren dermaßen traumatisiert, das sie uns lange nicht erkannten. Erst nach langen Zureden und vielen Streicheleinheiten kamen sie wieder etwas zur Ruhe.

Die kleine Josephine, noch kein Jahr alt. Die Kulleräuglein mit Tränen gefüllt, der ganze Körper am Zittern, dieses jammervolle Schluchzen. Ich war kurz davor, zum Mörder zu werden und den Mann zu erschlagen. Er kann froh sein, das meine Frau mich davor bewahrt hat. Die kleine Josephine, sein Fleisch und Blut. Mit 6 Monaten schon ein Beinbruch durch häusliche Gewalt und nun dieses Drama.

Warum ich das hier einfließen lasse, werdet ihr noch merken.

Unter solchen Bedingungen wollte ich nun nicht mehr nach Bad Lippspringe fahren. Aber meine liebe Frau Ulrike redete so lange auf mich ein, bis ich Ihr dann zustimmte. (Danke, meine Liebste)

So machte ich mich mit einem komischen Gefühl im Bauch auf den Weg. Ich wählte extra den Weg über die Landstraßen um die herrliche Landschaft zu genießen. Es war 5:45 Uhr, eigentlich ein schöner Morgen.

Um 7:00 Uhr war ich schon am Ziel. Im Auto aß ich noch ein Stück Kuchen und dann ging es auf Erkundungstour. Ausführlich durchstreifte ich den Kurpark und machte einige Fotos. Vor 40 Jahren war ich hier das letzte mal. Kannte aber nichts mehr wieder, alles hat sich verändert.

Dann traf ich auf Uli und Holger. Die Schar der Foris wurde immer größer. Uli kannte noch mehrere Teilnehmer vom letzten Jahr und bei einem von ihnen konnten wir den riesigen Pavillion mit nutzen. Dafür bauten wir ihn auch gemeinsam auf. Schon dabei wuchsen wir als richtige Familie zusammen und hatten unseren Spaß dabei.

 

Die Zeit überholte uns. Im Nu war es 13:00 Uhr und der Startschuß fiel. Der Lauf begann.

Schnell fand ich meinen Rhythmus und auch der einsetzende Regen konnte mich nicht verdrießen. Mal lief ich alleine, mal gesellten sich Bekannte und unbekannte Teilnehmer an meine Seit und über die Plauderei merkte man gar nicht, wie die Zeit verging.

Von Uli hatte ich eine Tabelle bekommen, in der man seine gelaufenen Runden abhaken konnte. Eine nützliche Hilfe, denn aus Erfahrung weiß ich, das man nach einer gewissen Laufzeit nicht mehr sicher ist, in welcher Runde man sich befindet. Außerdem ist das immer ein kleiner willkommener Moment für eine kleine schöpferische Pause.

Nach drei Stunden Laufzeit konnte ich anhand der Tabelle sehen, das meine Rundenzeiten fast vollkommen identisch waren. Das freute mich, denn Gleichmäßigkeit ist beim 24 Std. ein unbedingtes Muß, nicht nur bei der Laufzeit, sondern auch beim Krafteinsatz. Das sind meine Pfunde, mit denen ich wuchern kann, denn von der Schnelligkeit ist mir nach dem miesen Jahresverlauf nicht viel geblieben.

Die Laufbahn füllt sich nun immer mehr und stellenweise wird es schwer, zu überholen.

Dann kommen die Schüler klassenweise auf die Laufstrecke, versuchen für ihre Mannschaft alles rauszuholen, was drin liegt. Sie liefern sich untereinander Wettkämpfe und sind mit Begeisterung dabei. Für mich wird es dann richtig schön, als etliche Kindergartenkinder in buntbemalten T-Shirts auf die Strecke kommen. Diese kleinen Geschöpfe sind mit solch einen Eifer bei der Sache und ihre Gesichter glühen vor Anstrengung und Aufregung. Sie laufen einige Meter, bleiben stehen, schauen sich alles an und weiter geht es. Manche haben ihren Namen auf den Rücken geschrieben stehen. Ich lese ihn, spreche die Kinder mit Namen an, ermutige sie, lobe sie und freue mich mit ihnen. Man glaubt gar nicht, wie dankbar sie dafür sind. Der Stolz über die Leistung sprüht ihnen aus den Augen und sie klatschen meine Hände ab. Das sind Momente, die machen mich glücklich, lassen die Sorgen von zu Hause vergessen. Sie zeigen mir, wie schön Kinderaugen lachen und strahlen können, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gibt.

Das ist für mich Ansporn genug, soviel Runden wie möglich zu laufen. Der Verwendungszweck der Spendengelder ist für die Kinder und Jugendarbeit in Bad Lippspringe gedacht. Bestimmt gut angelegtes Geld, das immer dringender gebraucht wird um den Kindern eine schöne Welt zu bieten.

Nach 6:41 Stunden bin ich den ersten Marathon gelaufen. Die Zeit ist mir unwichtig, wichtig ist nur, das ich mich noch super fühle und Lust auf mehr verspüre.

So vergeht die Zeit unendlich schnell.

Gegen 20:00 Uhr nehme ich mir eine Auszeit und schlafe ein Stündchen. Ich weiß, was kommt, wenn ich durchlaufe. Die Entscheidung war goldrichtig.

Vollkommen fit und voller Elan bin ich um 21:30 wieder im Rennen.

Es ist dunkel und tausende von Kerzen wurden aufgestellt und säumen nun die Laufstrecke. Stimmungsvolle Atmosphäre, einfach wunderbar.

Nach 10 Stunden bin ich um 22:08 Uhr bei km 50 angekommen. Ein weitere Meilenstein, den ich auf Grund der langen gesundheitlichen Pause kaum für realistisch hielt. Das baut auf.

Die Strecke ist nun nicht mehr so voll und ich treffe immer wieder auf Gesprächspartner. Alle sind mit Begeisterung bei der Sache.

Manchen fällt besonders auf, wie die „Streakrunner“ mit sich und den anderen Teilnehmern umgehen und mit welcher Begeisterung sie ihren Sport treiben. Oft fragen mich die Menschen zu dem Thema aus. Bereitwillig erkläre ich ihnen unseren Sport, das Forum und den menschlichen Umgangston, der alle auszeichnet.

Dann werde ich von ihnen angesprochen, das „täglich Laufen“ doch so ungesund sei. Besonders eine Walkerin wollte mir das einreden. Ich zeigte ihr dann Ramona und auch Marion. „Schau dir diese Frauen an, die laufen täglich. Sieh mal, was sie hier leisten“. Damit hab ich ihr den Wind aus den Segeln genommen.

Runde um Runde laufe ich weiter. Das Gejöhle am Bierausschank wird immer lauter. Freudengesänge werden angestimmt. Auch das ist eine Leistung, so lange am Biertresen auszuhalten. Mein Fall wäre das aber nicht.

Es ist ziemlich ruhig auf der Strecke geworden. Runde 120 ( Km 74,4 ) erreiche ich nach 14:58 Std. Laufzeit. Es ist gleich  vier Uhr. Die Müdigkeit wird immer schlimmer. Ich habe das Gefühl im Laufen zu schlafen und schrecke immer wieder auf.  Bald kann ich mich nicht mehr auf den Beinen halten. Die 125. Runde beende ich noch und falle den todmüde auf die Rückbank meines Autos. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so müde gewesen zu sein. Nicht einmal bei der Bundeswehr im Wachdienst war ich so platt. Ein Blick auf die Uhr zeigt 05:45 Uhr an. Das letzte, was ich noch sehe, sofort schlafe ich ein.

Um 07:00 Uhr wache ich wieder auf. Neue Laufsachen angezogen und wieder rauf auf die Strecke. Die Spuren der Nacht sind vollkommen erloschen. Keine Kerze säumt den Weg, alles ist sauber und gefegt. Als ob nichts geschehen wäre. Auf der Strecke herrscht wieder Betrieb. Ich reihe mich ein und bin überrascht, wie schnell ich den Rhythmus wieder gefunden habe. Das Laufen macht Freude. Ich rechne mal die Runden durch und komme immer wieder auf ein Rundenzahl von 188 um die 100 km zu schaffen. Ich werde etwas mutlos, denn ich bin ja erst bei Runde 126 wieder in das Rennen eingestiegen. Und so viel Zeit ist ja nun auch nicht mehr. So wird meine Freude doch ein wenig getrübt.

Auf einmal ist Holger neben mir und ich bin froh, ihn neben mir laufen zu sehen. Wir klönen ein wenig und ich lege ihm meine Rechnung der letzten Runden vor und teile ihm meine Bedenken zu den 100 km Ziel mit.

Holger schaut mich verdutzt an: Mensch Rainer, 100 km sind bei Runde 162 erreicht, das schaffst du dicke. Bis ich das begreife, das dauert einen Moment. Dann wäre ich Holger am liebsten um den Hals gefallen über so eine tolle Nachricht.

Zuviel Laufen ist wohl manchmal für den Grips ungesund. Hatte ich doch bei 81 Runden den 50. Laufkilometer erreicht. Mit einer liebevoll gestalteten Flagge in der Hand durfte ich eine Ehrenrunde laufen, dann ist doch logisch, das 100 km das doppelte ist.

Diese freudige Erkenntnis lässt mich wieder richtig aufblühen. Jetzt kann mich nichts mehr halten, die 100 km schaffe ich.

Fast genau 22 Stunden nach Laufbeginn erreiche ich dann die 100 km Marke. Eine unglaubliche Freude überfällt mich. Die schlimmen letzten Monate sind vergessen. Ich lebe wieder, fühle mich wie neu geboren. Jetzt marschiert auch noch die Blaskapelle auf und es hört sich an, als spiele sie nur für mich. Ich bin glücklich wie lange nicht mehr.

Aber noch denke ich nicht an Aufhören, ein paar Runden sollen es noch werden.

Als ich vom Bratwurststand den Grillduft in die Nase bekomme, da kann ich mich nicht mehr halten. Eine Wurst und ein Bier gönne ich mir. Das war lecker wie noch nie.

Danach gehe ich noch einmal auf die Strecke und genieße die letzten sieben Runden.

Zufrieden mit dem Ergebnis lasse ich den Lauf ausklingen. Ich habe mehr erreicht, als ich zu träumen gewagt habe, bin froh und dankbar. Dankbar vor allen darüber, das ich die vielen leuchtenden Kinderaugen gesehen habe. Sie haben mich noch mehr darin bestärkt, das Kinder unser höchstes Gut sind und das man für sie alle Anstrengungen in Kauf nehmen muß, damit dieses Leuchten nie in Trauer umschlägt, das sie fröhlich durch ihr Leben gehen können.

Danke an alle Teilnehmer und besonders an diese einfach tolle Forumsgemeinschaft der „Streakrunner“. Ihr habt mir schon durch schwere Zeiten geholfen. Danke schön dafür.

                                 Es war super mit euch.


Die Reste der Burg, davor die Quelle der Lippe.


Dicht an der Strecke bei Start und Ziel.


Spielplätze für die Kinder.


170 mal habe am Ende der Steigung auf dieses schöne Gebäude geschaut. Besonders in der Nacht, als es so toll angestrahlt wurde, war es Balsam für die Augen.


In der Mitte, das ist Holger, unser aller "Chef". Danke für Deinen unermüdlichen Einsatz.


Am Start. Langsam trudeln alle ein.




Der Kindergarten startet. Einer von vielen.


Die kleinen Kinder halten noch nichts von vorgeschrieben Wegen. Hier wird Laufen spielerisch erfahren.




Holgers (links)Marathon Nummer 1 bei diesem Rennen.




Marcus bei km 50. Er kann noch lachen.


Uli, ich freue mich riesig, das Du nach langer Krankheit mal wieder so ein schönes Erfolgserlebnis feiern durftest. Ich hoffe, so geht es jetzt weiter.